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Mein 1. Syltlauf, 21. März 2004

Von Ulrike Ruprecht

Freitag angekommen, Regen und Sturm. Sonnabend: Regen und Sturm bis Orkan, man kann eigentlich gar nicht raus, da man im Nullkommanix durchnässt ist. Bei der Startnummernausgabe mit Nudelparty hat sich Hans, mein Mann, entschlossen, keine übriggebliebene Startnummer zu suchen; ich kann's verstehen. Sonntag: der Sturm heult und pfeift ums Haus, es ist grau. Hans bringt mich noch zum Busbahnhof, wo der Zubringer nach Hörnum abfährt. Ich graule mich schon, dass ich noch eine Stunde in der Kälte rumstehen muss, bis der Startschuss fällt, aber meine Sorge ist unbegründet: wir können uns im Saal der Kurverwaltung aufhalten! Es gibt sogar einen Fernseher, und die Anhänger des Motorsports scharen sich sofort um ihn herum.

Im Bus habe ich Jueje getroffen; die anderen Bekannten aus meinem Laufforum sind alle schon da. Die Stimmung ist gut. Endlich wird es Zeit, zum Start zu laufen, das sind 800 m, also ist der Syltlauf eigentlich noch länger! Der Startschuss fällt, es gibt aber keine Chip- Zeitnahme am Start, so dass ich von meiner Endzeit eigentlich noch ein BISSCHEN was abziehen könnte, aber naja, macht den Kohl nicht fett... Der Sturm kommt von links. Mit knatternden Startnummern setzt sich die Läufermasse (1200) in Bewegung. Habt ihr schon mal das Knattern von Startnummern im Orkan gehört??

Und man glaubt es kaum: die Sonne kommt raus! Sofort sieht die Landschaft viel schöner aus und die Laune steigt. Mal schiebt der Wind ruckartig von hinten, mal pustet er mich fast von dem Radweg, auf dem wir laufen, mal kommt er schräg von vorne und stoppt einen ab. Und manchmal weht eine Bö mein linkes Bein in der Abhebephase gegen das rechte, so dass ich fast stolpere!! Die Autofahrer neben uns auf der Straße hupen und winken.

Links von uns der Dünengürtel, mit düsterem Heidekraut bewachsen, rechts kann man manchmal das Meer sehen. Kurz vor Westerland, bei ca. km 15, biegt die Strecke dann zur Strandpromenade ab, und wir müssen ein kurzes Stück genau gegen den Wind. Ich muss walken, schaffe es gar nicht, zu laufen, so drückt es von vorne. Nun kommt das schönste Stück: wir gucken direkt aufs Meer, auf die imposante Brandung! Gischtflocken fliegen herum. An der "Muschel" steht Hans, und ich mache kurz Pause, um ein Powergel reinzuquetschen und ordentlich Wasser nachzuspülen. Ein Lob an die Orga: das Wasser ist temperiert! man kann es gut runterstürzen, ohne Bauchgrimmen zu kriegen. Nach drei Bechern mache ich mich wieder auf. Immer am Meer lang, einfach DIE Optik! Irgendwann biegt die Strecke wieder nach rechts ab, durch Kampen. Schließlich wird es immer einsamer. Ich bin auch ziemlich weit hinten, vor mir sehe ich in weiter Ferne ein paar Läufer. Der Weg ist auch für Spaziergänger, und sie gucken und machen aufmunternde Sprüche.

Die Sonne geht weg, es wird wieder grau. Aber ich habe den Eindruck, der Wind läßt etwas nach. Ich komme an völlig freie Strecken, werde aber gar nicht mehr so angepustet. Jetzt müssten doch bald diese ominösen Dünen kommen... Irgendwann kommen sie dann auch. Lange, nicht allzu steile Steigungen, aber eben nicht endend. Einmal bin ich gewalkt, aber hauptsächlich um meine irgendwie völlig verspannten Muskeln mal anders zu bewegen. So langsam tut alles weh. Ich halte mich an den Verpflegungspunkten immer etwas auf, weil sie sehr kurz sind, und wenn man 2 Becher Wasser will, muss man stehenbleiben. Ist aber auch ganz nett.

An der letzten Stelle bei km 28 etwa rufen sie schon von weitem: "Keekse, Gummibärchen, Bananen, Gatorade!" Der Typ vor mir fragt: "Habt ihr auch 'n Taxi?" Wir bleiben stehen, essen, trinken - ist richtig etwas Partystimmung! Der Taxi- Interessent entschließt sich, auf den Lumpensammler zu warten, er hätte jetzt keine Lust mehr!! Ich tappele dann weiter. Der letzte Teil der Strecke ist verdammt öde und einsam. Nur die Lerchen singen. Irgendwann kommt km 32. Hach, denke ich, reiß Dich zusammen, dann schaffst Du es noch unter 4 Stunden. Also versuche ich aus meinen Auabeinchen noch was rauszuholen, bis mir einfällt: Ach Mist, sind ja noch 333 m mehr! Na dann ehm nich unter 4 Stunden. Es kommt eine letzte lange Steigung neben der Straße her. Die Läufer, die schon in Autos und Bussen zurückfahren, winken mir zu und hupen.

Ortsschild "List", gottseidank. Ich höre Krach und Musik, ist das das Ziel? Nee, bloß eine Vor- Anfeuerung, man muss nochmal links abbiegen. Weiter vorne wieder Musik und Remmidemmi, also da ist dann wohl das Ziel. Ich werde namentlich genannt, aber Schei..., wieder keine Ziellinie, die machen's aber spannend! Nochmal rechts umme Ecke! Aber da ist es dann auch tatsächlich. 4:02:41, ich bin endlich da!!

Nach keinem Marathon hatte ich solche Muskelbeschwerden wie jetzt. War es der Wind? Die Steigungen, die ich eigentlich gar nicht so schlimm fand? Dann fällt mir ein, dass ich seit dem Berlin- Marathon nie über 20 km gelaufen bin, das erklärt natürlich meine Probleme ab km 24... Als ich ein wenig stretche, sehe ich den Typ, der das Taxi wollte. Er ist dann doch noch gelaufen; brav! So, jetzt nichts wie zum Bus und zurück nach Westerland! Unter die Dusche - und dann zu Gosch, der den absolut besten Fisch hat. Nach der Stärkung (Lachs mit Rösti) ab zur Siegerehrung: die flinke Frieda aus unserem Forum ist 5. Frau insgesamt geworden und 2. AK- Siegerin.

Fazit: anstrengender Lauf, aber naturmäßig wunderschön. Einsame Streckenabschnitte, zumindest für so "Schnecken" wie mich. Sollte man mal gemacht haben... Und für 2005 bin ich wieder angemeldet. Aber diesmal wird über den Winter auch die Langstrecke trainiert!

Ulrike

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