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Der 4. Norderney Marathon / 2. Norderney Halbmarathon
September 2004

Von Heiner Kutza

Nachdem uns der Halbmarathon, mit Wochenendurlaub, im letzten September so gut gefallen hat, bin ich mit Frau mit unseren beiden Kindern wieder auf dieser Insel. Vor drei Jahren hatte ich bei der ersten Veranstaltung mühselig den Unterschied zwischen einem Stadt- und Landschaftsmarathon kennengelernt. Letztes Jahr „durfte“ ich Erfahrungen bei heftigem Gegenwind sammeln, was konnte ich dieses Jahr erwarten?

Es war jedenfalls letztes Jahr schon klar, dass wir fahren würden. Im Sommer konnten wir bei unserem Urlaub dort schon eine Unterkunft in Rufweite des Start / Zielbereichs bekommen. Am Freitag nach der Schule ging es los und nach ca. 220 km bekamen wir die vorletzte Fähre zur Insel. Am Anleger treffen wir den Marathonvielstarter Hans – Werner mit seiner Frau, auch aus unserer Stadt, und den dreimaligen Marathonsieger Frank aus Bremen, mit seiner Freundin. Wird er es zum vierten Mal schaffen?

Nach einem fast trockenem Samstag mit Wolken und Sonne bei ca. 20° C war ich auf den nächsten Tag gespannt, denn es waren Regenschauer angesagt, aber wann ? Und ob überhaupt, denn auf den Inseln weiß man nie. Ich gehe zeitig ins Bett, aber ich schlafe unruhig, denn nebenan ist eine Fete. Nun gut, dann schließe ich eben das Fenster dorthin. Aber die Gäste, die gehen, unterhalten sich so laut, dass es doch stört. Trotzdem bin ich gegen 6:30 gut ausgeruht. Das Wetter ist in etwa so wie gestern, das kann so bleiben! Ich frühstücke allein und gehe schon mal zum Start und begrüße den Organisator (Roberto), der seine Helfer am beschäftigen ist. Ich beschließe, mich noch mal ein Stündchen hinzulegen.

Schlafen kann ich natürlich nicht (mehr) und so kann ich über das Laufjahr 2004 sinnieren. Es fing ganz normal an mit einem schnellen Crosslauf um den Rubbenbruchsee. Aber mitten in der Vorbereitung zum Hermannslauf, Mitte März, bekam ich innerhalb eines Trainingslaufs Probleme mit meinem linken Knie. Ich konnte zwar zu Ende laufen, aber danach schmerzten sie beim Treppensteigen und wenn es Steigungen hoch ging. Also genau das, was man zum „Hermann“ braucht! Dann kamen Laufpause und Arztbesuche und es endete damit, dass das Problem irgendwann verschwand. Den schon bezahlten Hermannslauf wollte ich aber nicht ganz sausen lassen und deshalb habe ich ihn nach einem Monat Training als Walker in 3:52:04 h bewältigt. Im Mai bin ich dann vorsichtig wieder mit dem Lauftraining angefangen und genauso vorsichtig absolvierte ich im Juni den 1. Volkslauf.

Ab Ende Juli tastete ich mich an längere Strecken heran, denn der HM nahte. Nicht der auf Norderney, sondern der in Bremen. Aber aus dem wurde leider nichts, denn ich wurde durch eine Vollsperrung der Autobahn vor Delmenhorst ausgebremst und kam fast 2 h zu spät. So mußte ich mich auf meinen letzten langen Testlauf (21,4 km) verlassen und hoffen, dass gleich alles gut läuft.

Ich bin eine Viertelstunde vor dem Start da und es sollen sich über 300 Teilnehmer angemeldet haben – Teilnehmerrekord. Der Exbürgermeister hält eine halbminütige Rede und startet dann das Teilnehmerfeld mit der guten, alten Starterklappe. Eine schöne Idee, passend zu so einer familiären Veranstaltung. Eine kleine Runde um und durch die Nordhelmsiedlung und dann die große Runde durch die Landschaft stehen an. Bei den Marathonis das Ganze dann zweimal.

Ich starte zügig, aber verhalten. Das habe ich mir in diesem Jahr angewöhnt, damit bin ich bisher gut gelaufen. Nach der ersten Runde teilt sich das Feld und jetzt kommt der Teil, weshalb ich diesen Lauf so gerne mit mache, die Landschaft. Zunächst geht es durch die hier flache Dünenlandschaft, dann geht es über eine trockene Wiese zum Deich. Ich werde von zwei Männern, die zusammen laufen, langsam überholt. Ob ich sie später einholen kann? Aus irgendeinem Grund sind die Startnummern auf knallgelber Pappe gedruckt. Nachdem ich mir das erstemal Wasser über den Kopf gekippt habe, fällt es ab und ich muß es in der Hose weiter befördern und am Ende beim Zieldurchlauf vorzeigen. Nach fast 8 km kommen zwei Radfahrer vorbei, die den führenden Marathoni ankündigen. Es ist „natürlich“ der dreifache Sieger Frank Themsen aus Bremen auf dem Weg zu seinem 4. Erfolg. Ich frage ihn, ob er so schnell ist und mich ob ich so langsam bin. Seine Antwort: „Ich laufe mein HM – Renntempo, um meine Konkurrenten zu schocken.“ Nur ..... da sind keine Gegner zu sehen. Er wird im Ziel ca. 22 min Vorsprung haben. Es werden mich später nur noch zwei Marathonläufer überholen. Ich laufe 40 m sein Tempo mit, dass reicht mir. Letztes Jahr hatte ich Windunterstützung, deshalb hatte er mich erst nach über 10 km einholen können. Wir haben nur Windstärke 4, im Gegensatz zum letzten Jahr, wo wir den Wind mit der Stärke 6 und mehr erst im Rücken und dann frontal gegen uns hatten. Mit Sonne wird jetzt weniger, denn es bewölkt (keine Regenwolken) sich zunehmend. Mein Laufwetter.

Seit geraumer Zeit laufen zwei Frauen hinter mir, die den Abstand kaum merklich verkürzen. Bei dem Ostparkplatz, dem äußersten Punkt der Veranstaltung, sehe ich noch eine Läuferin vor mir. Ein paar Kilometer später, in den Dünen kommt es zum „Showdown". Ich bin mittlerweile an die führende Läuferin herangekommen und überhole sie. Die beiden bisher hinter mir liegenden Läuferinnen überholen sie und mich auch. Und jetzt geht „die Post ab“: Die bisher Führende hält dagegen und so ich sehe das Dreiergespann die eine Düne hochsprinten und anschließend schnell runter laufen. Die siehst Du nicht wieder, denke ich mir, die laufen Dir jetzt weg. Kein Gedanke, da hinterher laufen zu wollen.

Aber dieser Zwischenspurt hat wohl doch ganz schön Kraft gekostet! Die zuvor Führende überhole ich innerhalb eines Kilometers das zweite Mal. Kurz danach auch den einen Läufer aus dem Herrenteam. Ungefähr 5 km vor dem Ziel überhole ich die zweite Frau und 2 km später auch noch die 1., die sich dauernd nach der 2. Frau umschaut. Ich habe ihr versichert, dass ihr Abstand groß genug sei, aber man weiß ja nie .... Auch mich hat noch ein Läufer überholt und sich langsam, aber sicher, von mir abgesetzt. Dafür halte ich mich auf dem letzten Kilometer an den anderen Mann des Herrenteams, dass mich anfangs überholt hatte, schadlos.

Mit meiner Zeit von 1:42:58 h war ich zwei Sekunden schneller als letztes Jahr gewesen. In Anbetracht dessen was war, ein Superergebnis für mich. 24. Platz von 161 Finishern. Beide Rennhälfte waren fast gleichschnell gewesen, so sollte es sein.

Nach kurzem Ausruhen bin ich dann in unsere Ferienwohnung zum Duschen und Umziehen gegangen. Dann wieder zum Zielbereich, schauen, wann der Sieger ankommt. Natürlich ist es Frank und das nun schon zum 4. Mal! Mit einer Zeit von 2:44:45 h. 91 Marathonfinisher werden es. Da am nächsten Tag Schule ist, müssen wir die vorletzte Fähre um 17:30 nehmen, denn wir müssen mit insgesamt 4 Stunden Reisezeit rechnen. Ich werde also wiedermal die Siegerehrung verpassen.

Fazit: Es war wieder ein schönes Wochenende für den Familienkurzurlaub. Wir hatten schönes Inselwetter ohne Extreme und das kam auch dem Lauf zu gute. Das Laufereignis war, wie immer, für mich absolute Spitze! An sich und auch in der Organisation. Wie wollen auch nächstes Jahr wieder dabei sein. Bilder und Informationen können unter www.marathon.ney.info/ gesichtet werden.

Wenn ich zur Siegerehrung noch da gewesen wäre, wäre ich aufs Podest gekommen, als zweiter meiner Altersklasse! Bei einer Siegerehrung wäre es das erstemal in meiner Laufkarriere gewesen – wirklich Schade.

 

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