--- Insellaeufer.de --- Insellaeufer.de --- Insellaeufer.de --- Insellaeufer.de --- Insellaeufer.de ---
__________________________________________________________________________________________________

Norderney kochte:
Bericht zum 15. Internationalen City-Abendlauf auf Norderney
19. Juli 2003

Ergebnislisten hier

 

Norderney gehört zu den bekannteren ostfriesischen Inseln, nur wissen die wenigstens, wo sich das Eiland eigentlich im Gewirr der langgestreckten Barriere-Inselkette vor der niedersächsischen Küste versteckt hält. Aus der Luft betrachtet sehen sich die bananenförmigen ostfriesischen Inseln recht ähnlich. Die beiden Inselenden sind dabei jeweils leicht in Richtung Land gebogen. Diese sogenannten Fluthaken bestehen aus Sand, der vom Flutstrom in Richtung Land getragen wurde. Ach ja, die Lage von Norderney in der Inselgruppe läßt sich im Prinzip per Eselsbrücke anhand der Anfangsbuchstaben der Wörter im Merkspruch "Welcher Seemann liegt bei Nani im Bett?" (von ost nach west: Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Norderney, Juist, Borkum) zielgenau ausmachen.

Auf die Gefahr hin, einige Inselliebhaber zu verschrecken, muß erwähnt werden, daß Norderney eine Kannibaleninsel ist. Zwar sind die Insulaner natürlich äußerst friedliebend, zuvorkommend und haben auch seit längerem mit dem Strandgutsammeln verunglückter Schiffsladungen aufgehört, allerdings stammt ein beträchtlicher Teil des Norderneyer Sandes kannibalischerweise von den Nachbarinseln Buisse und Baltrum. Wellen und Strömungen haben es im Laufe der Zeit gut mit Norderney gemeint und den Norderneyern Korn um Korn aus der Nachbarbarschaft zugeführt.

Der 15. Internationalen City-Abendlauf auf Norderney stand also an und insellaeufer.de machte sich (diesmal samt Ehefrau) aus der Bremischen Heimat auf, die Insel und den Lauf zu erkunden. Bei heißem Sommerwetter erfolgte die Anreise bereits einen Tag vor dem Start, um die Vorzüge der Insel besser kennenzulernen. Das letzte Stück der nur knapp zweistündigen Autofahrt führte durch das lieblich-platte Ostfriesland, das sich am Anreisetag flächendeckend in eine feine Gülleschicht hüllte. Ab Emden teilten einem Landstraßenschilder den glücklichen Umstand allstündlicher Abfahrten nach Norderney mit, so daß wagemutige Überholmanöver diesmal unnötig wurden.

In Norddeich angekommen wurde sogleich das schneeweiße Seebäderschiff Frisia XXXVII bestiegen. Ihr Schwesterschiff, die Frisia MXIV hatten wir knapp verpaßt und alle anderen genial römisch-fortlaufend durchnummerierten Frisias waren wohl anderweitig in der Nordsee unterwegs. Wie ein Schwan begann schließlich die unsrige Frisia ihre Reise und mäandrierte auf unsichtbaren Schleifenbahnen durchs Wattenmeer. Nur ab und an schien der Fahrweg durch wie zufällig aus dem Meer herausragende dünne Zweigchen gekennzeichnet.

Auf der Insel wurde dann im Hotel Quartier bezogen, dem einzigen Hotel, das eine Reservierung für nur eine Nacht in der Hochsaison im voraus anzunehmen bereit war. Die Gelegenheit wurde genutzt, das angemietete Zimmer intensiv nach zurückgelassenen persönlichen Gegenständen der Werder Bremen-Fußballspieler zu durchsuchen, die hier die Wochen zuvor ihr Trainingslager aufgeschlagen hatten. Leider erfolglos. Der freie Tag vor dem Rennen wurde genutzt, die abseits der gepflasterten Radwege gelegenen verwunschenen Reiterwege im Irrgarten zwischen Dünen und Büschen zu Fuß zu erkunden. Außerdem wurde erste Bekanntschaft mit den in diesen Tagen auf der Insel omnipräsenten, fliegenden Mikrowürmchen gemacht, die sich bevorzugt in Ohren und Achselhöhlen niederlassen.

Das bringt uns zum Internationalen Norderney Citylauf. Auch am Lauftag machte die Sonne keine Pause. Mangels anderer plausibler Erklärungsmöglichkeiten ist anzunehmen, daß sich das "international" im Titel des Laufes auf die afrikanische anmutende Hitze bezog, die jetzt herrschte. Vielleicht hatte es aber auch mit dem Schweizer Teilnehmer zu tun, der Platz 1 in der M45-Wertung belegte. Die Stunden vor dem Lauf wurden von einem schattigen Kaffeehaus zum nächsten hüpfend verbracht. Seltsamerweise fanden sich im Stadtbild zunächst relativ wenige Anzeichen dafür, daß etwas später ein Citylauf stattfinden würde. Plakate fehlten, Absperrungen wurden erst in den letzten paar Stunden herbeigefahrn und aufgebaut. Es ist daher recht verwunderlich, daß pünktlich zum Beginn der beiden Läufe um 19:45 bzw. 20:00 Uhr die Straßen mit Zuschauern gepackt voll waren. Ausgerüstet mit Riesenhänden, Trillerpfeifen und Ratschen standen sie entlang der Straßen oder saßen gemütlich, an Bierchen nuckelnd, in den Straßencafes. Die Stimmung war riesig, der Einsatz der Zuschauer grandios. Die einzige Band entlang der Strecke war allerdings nur zu hören, verborgen hinter Gebüsch. Einige mitfühlende Inselbewohner opferten zu Ehren des Laufes ihr kostbares Naß und verteilten ausgerüstet mit Gartenschläuchen und Bechern großzügig ein paar kühlende Wasserspritzer auf die vorbeilaufende Läufermeute. Danke für den Support!

Die Läuferfelder waren enorm - mehr als 1200 Laufbegeisterte verteilten sich auf die 5 km und 10 km Rennen. Hierdurch rangiert Norderney bei den Teilnehmerzahlen an der Spitze der deutschen Inselläufe. Die Abholung der Startunterlagen gelang trotzdem problemlos. Die Tombola war bereits vor dem Start ausglost worden, so daß man sogleich seine Preise in Empfang nehmen konnte, anders als bei anderen Veranstaltungen, wo die Hälfte der Gewinne verfällt, weil nicht alle Läufer mehrere Stunden nach dem Lauf noch Zeit für die langwierige (und meist verspätete) Siegerehrung und Auslosung aufbringen können. Die Verwendung des elektronischen Championchips an den Läuferfüßen ermöglichte auf Norderney eine problemlose Zeitnahme und schnelle Auswertung. Auch die Starts verliefen geregelt und ordentlich. Zu beheben wäre beim nächsten mal lediglich eine klaffende Lücke, die sich in der Championchip Fußmatte am Start befand und einige Läufer fast die Wertung gekostet hätte, wenn nicht vom Starter lautstark darauf hingwiesen worden wäre.

Die Strecke war bestens mit weißen Malerpfeilen markiert und führte im Zickzack durch die schönen Straßen der Inselstadt. Die berühmten Schwimmdächer konnten im vorbeilaufen auf den Inselhäusern leider nicht ausgemacht werden. In früheren Zeit wurden sie bei Sturmfluten vom übrigen Hauskörper abgetrennt und dienten den Hausbewohnern als Rettungsfloß. Einige Passagen der Lauftrecke führten durch die kühlschattigen Parks von Norderney City. Kurz vor Schluß der 5 km Einheitsrunde galt es zudem ein paar hundert meter (allerdings bei Rückenwind) auf der heißen Strandpromenade zu bewältigen.
Selbst in den Abendstunden des Laufes hatten sich die Temperaturen nur leicht erniedrigt. Die Hitze kostete uns Läufer sicher die eine oder andere Minute - aber was bedeutet das schon im Vergleich zu Läufen in klirrender Kälte und vereister Streck im Winter!?

Zunächst startete der 5 km Jedermannslauf. Eine schöne Gelegenheit zur geselligen Stadtbesichtigung im Laufschritt für all diejenigen, denen die 10 km (noch) zu lang sind. Schnellster im Ziel war Frank Themsen, der Norderney-Marathonsieger des Vorjahres. Wie sich später im Gespräch mit insellaeufer.de herausstellte, hatte sich Frank wohl in der Ausschreibung verlesen, wobei er von einem 50 km und nicht 5 km-Lauf ausging. Möglicherweise wollte er aber auch nur die inoffizielle Familienwertung zusammen mit seiner ebenso startenden Freundin Tanja (jaja, nächstes mal grüß ich zurück, wenn Du kurz anhälst!) gewinnen wollte.

Für den Hauptlauf, die 10 km, hatten sich eine Reihe von Nord-Cracks angekündigt und bestimmten das Geschehen nach Belieben. Der frischgebackene Senioren-Weltmeister Jörg Valentin (32:38 min) vom TV Norden ließ hierbei den Vorjahressieger Klaus Eckstein (32:23 min) vom LC Nordhorn gewähren. Immerhin kann sich insellaeufer.de rühmen, das Feld die erste halbe Runde des Rennens angeführt zu haben, um dann von der 5 köpfigen Schnelllauftruppe sang- und klanglos überrannt zu werden. Überhaupt scheint sich in den Vorjahren mein Verein, die LG Bremen-Nord, ganz in den Dienst solcher freiwilliger Zugaufgaben gstellt zu haben, ohne Belohnung zu erhalten. Die Geschwindigkeit des Siegers wird klar, wenn ich berichten muß, daß die mit Fotografieraufgaben beauftragte Ehefrau in der Eile nur noch die leere Straße hinter Klaus Eckstein erwischte. Letztendlich war ich mit meinem 6 Gesamtplatz (34:01 min) ganz zufrieden.

Nach dem Lauf gab es für alle Finisher kostenlose Funktions-T-shirts. Endlich mal ein Laufsouvenir, das man in der Praxis wirklich einsetzen wird. Im Lauftreff meines Vereins lacht man sich mittlerweile wegen meiner vollgesaugten Baumwollschweißfänger kaputt, die man sonst so bei Läufen bekommt. Zum Thema Urkunden nur soviel: Zunächst bekam ich mehrere dicke Stapel in die Finger, die weder nach Startnummern, noch nach Nachnamen, noch nach Strecken sortiert waren. Nachdem ich einige hundert durchgeguckt hatte, merkte auch ich, daß es sich um Urkunden des Vorjahres handelte und die aktuellen natürlich erst langsam aus dem Drucker tröpfelten. Aber mal ehrlich gesagt, wenn ich die Ergebnisse aus dem Internet ausdrucken kann, bin ich schon zufrieden. Eine Urkundenwand habe ich nicht und meine Kollegen bei der Arbeit wollen sie mittlerweile auch nicht mehr gezeigt kriegen. Also Schwamm drüber.

Vor der Siegerehrung gabs zunächst fetzige Musik. Dann stürmten die beiden Sportartikelrepräsentanten Kasper und Seppel (alias Kai und Jörn) die Bühne und unterhielten die Läuferschar in der folgenden halben Stunde mit solch anregenden Preisfragen wie "Was fängt mit ‚N' an und hört mit ‚orderney' auf?" oder "Wieviel Uhr war es gestern um die gleiche Zeit?". Vielleicht könnten die beiden für nächstes Jahr noch ein bisschen an ihrer Show feilen. Möglicherweise war das Hauptproblem auch nur, daß das Bier mittlerweile an den Wagen so ziemlich alle war...

Die Siegerehrung wurde genauso souverän und erfrischend durchgeführt wie die Moderation während des Laufes. Glückwunsch. Neben der interessanten Frage, wo man sich letztendlich in seiner Altersklasse platzieren konnte ("hoffentlich ist der eine schon eine Klasse älter bzw. der andere eine jünger") und welche Preise wohl den Weg in die eigene Tasche finden würden, konnte die Spannung nur noch durch die nahende Abfahrt der letzten Fähre von der Insel gesteigert werden, die eine viertel Stunde nach Ehrung der letzten Seniorengruppe (M30, ich habe ein Handtuch bekommen, danke!) ablegen sollte. Es scheinen aber alle den Weg rechtzeitig in den Hafen gefunden zu haben. Gut gefüllt machte sich die mit fröhlich-erschöpften Läufern schwer beladenene Fähre auf in Richtung Norddeich, wo dann jeder seiner mitternächtlicher Wege ging und fuhr.
Den ehrenamtlichen Organisatoren ist wieder einmal ein tolles Laufevent gelungen. Der Norderney-Citylauf gehört fraglos zum besten was die deutsche Insellaufszene zu bieten hat! Wer nicht bis zum nächsten Jahr abwarten kann auf Norderney zu laufen, dem sei der Marathon und Halbmarathon im September auf der Insel empfohlen, der quer durch die Naturschönheiten des Eilands führt, ein Kontrastprogramm zum reinen Stadtkurs des Citylaufes.

_____________________________________________________________________________________________

zurück zu insellaeufer.de


Anregungen, Ergänzungen und Korrekturen bitte an meine Emailadresse Sebastian.Luning@gmx.net
Sebastian Lüning, Bürgerwohlsweg 53, 28215 Bremen, Tel. 0421-2428 887