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Bericht zum
6. HELGOLAND MARATHON
10. Mai 2003

Ergebnisliste auf helgolandmarathon.de
Fotoimpressionen der Helgoland-Marathon-Runde + weitere Foto-Links hier auf insellaeufer.de

Die Insel Helgoland liegt am Südrand der Nordfriesischen Inseln in der Nordsee, 1 Katamaran-Fahrstunde nordwestlich von Cuxhaven. Der 60 m hohe rote Sandsteinfelsen ist bereits von größerer Entfernung von See aus unübersehbar. Die Insel ist zwar kaum größer als eine handvoll Flugzeugträger, 3 km lang, 1 km breit, aber gerade das macht auch den Reiz des seit 1997 ausgetragenen Marathonlaufes auf Helgoland aus. Marathon auf Helgoland? Naja, hierbei muß die Insel insgesamt immerhin viermal umrundet werden.

Gestartet wird an der Haupt-Uferpromenade, dann geht es raus auf die Nordost-Mole. Bei der Jugendherberge dann die erste Wende, über den steilen Düsenjägerweg gehts aufs Oberland, das auf dem Klippenrandweg entlang der roten Sandsteinsteilküste umrundet wird. Am Nordende wird die "Lange Anna" passiert, am Südende geht es durch den Elektrokarrentunnel durch einen riesigen Sprengungskrater (das "Mittelland") am Krankenhaus vorbei in das Hafengebiet. Nun führen die trickreichen Helgoländer die Strecke durch ein langes Flutbecken raus auf die westliche Südhafenmole, wobei ersteres im Wendeverfahren dreimal (!!) und zweitere zweimal durchlaufen werden muß. Hier also verstecken sich die unvermuteten Marathonkilometer. Nach einem kurzen Intermezzo durch den helgoländischen Schuttabladeplatz und den Seeschiffahrtstonnenhof geht es auf Hafenmolen zurück zur zentralen Uferpromenade, wo man dann eingeladen ist, die Runde ein paar weitere Male zu durchlaufen, insbesondere falls man auf dem ersten Durchgang einige Sehenswürdigkeiten verpaßt hat. Nach 42,195 km muß man dann aber endgültig die abwechslungsreiche und im Oberland landschaftlich ansprechende Strecke verlassen, um sich schlußendlich eine Finisher-Medaille um den Hals hängen zu lassen.

Die Strecke ist äußerst zuschauerfreundlich, da man die Läufer an geeigneten Stellen mit nur kurzen Transfers gleich 3 mal pro Runde, das heißt also ingesamt 12 Mal im ganzen Rennen zu sehen bekommt. Ein guter Platz hierfür wäre zum Beispiel bei den Hummerbuden bzw. am südlichen Ende des Sturzbeckens. Marathonzuschauer sind allerdings auf Helgoland recht rar. Das hat wohl weniger mit Desinteresse zu tun als mit der Tatsache, daß die meisten Hotelbetten mit Marathonis belegt sind, wobei die Zimmervermitlung der Kurverwaltung alle Anfragen von Nichtläufern für Unterkunftswünsche für dieses Wochenende kategorisch zurückweist. Auch die Insulaner selbst kommen überwiegend nicht als Zuschauer in Frage, da satte 10% der 1500-köpfigen Inselbevölkerung als Helfer beim Marathon eingespannt sind, während sich der Rest der Helgoländer zollfreie Parfüme, Zigarren und Whiskeyflaschen für die die Tagestouristen aufbauen müssen.

Apropos Helfer. Die Organisation muß als vorbildlich bezeichnet werden. Die Getränkestände sind zahlreich und mit freundlichem Personal besetzt, im Bereich des besagten Sturzbeckens wird der Service sogar von einer größeren Gruppe vorzeigbarer "Stewardessen" der "S(ch)witz Air" betreut, darunter auch eine Dame der "Lust Hansi". Der Weg hierher wird einem kurz zuvor durch einen lautstarken Piraten gewiesen, an dem niemand kommentarlos vorbei kommt. Auf Höhe des Zieles besteht in den diversen Runden die "Gefahr", vom unterhaltsamen und kompetenten Marathonsprecher Siegfried Konjack herausgepickt und den Zuschauern vorgestellt zu werden.

Die individuelle Betreuung wird durch das überschaubares Feld von diesmal etwa 240 Marathon-Teilnehmern ermöglicht. Da die Kapazitäten für ein paar mehr Läufer ausreichend wären, konnten sich am Vortage noch eine Reihe von Läufern nachmelden, so auch der Sieger des diesjährigen Laufes, Peter Smolinski aus Buxtehude (mit neuem Streckenrekord in 02:37:30), der einige Minuten vor Frank "Inselläufer" Themsen ins Ziel lief, der seinen Platz aus dem Vorjahre verteidigen konnte. Seine Insellaufqualitäten bewies der Nord-Bremer Themsen bereits auf Norderney, wo er 2002 den Marathon für sich entscheiden konnte. Sein Helgoländer Auftritt muß wohl als doppelt erfolgreich gewertet werden, wurde er im Ziel doch von seiner Freundin darüber in Kenntnis gesetzt, daß sie seinen kürzlich gemachten Heiratsantrag annehmen wird. Als dritter kam mit nur einigen Minuten Rückstand der Vorjahressieger Volker Krajenski, ein ex-Cuxhavener, ins Ziel, der vermutlich noch ein gewisses Schlafdefizit ausgehend von kürzlich erworbenem Nachwuchs abzuarbeiten hat. Bei den Damen siegt Heike Cossmann in 03:36:41 vor Anne-Dore Allusa und Bianca Gudd.

Überhaupt ist es angenehm, daß die sportliche Seite des Helgoland-Marathons von den schnellsten Amateuren der Region ausgelaufen wird und die Preisgelder so dimensioniert sind, daß sie keinen Anreiz für dauerstartende Profigruppen bieten, wie dies mittlerweile bei vielen Stadtläufen der Fall ist. Die Zweitrangigkeit von internationalen Spitzenzeiten und Rekorden paßt irgendwie auch viel besser zum Charakter einer Insel, wo das gemächliche Leben durch die Rhythmen von Ebbe und Flut, Wolken und Sonne, Winter und Sommer, sowie An- und Abfahrt der Seebäderschiffe gesteuert wird. Der Helgoland-Marathon sollte in keiner ernsthaft betriebenen Marathonsammlung fehlen. Aber Vorsicht: Es besteht die Gefahr zum Wiederholungstäter zu werden!

 

Über den Schreiber:

Ein Ermüdungsbruch des rechtes Mittelfußes zwei Monate vor Rennbeginn legte den Autor zwar in der Vorbereitungszeit komplett lahm, allerdings fiel der vorsichtige Wiedereinstieg ins Laufen zufälligerweise mit dem Helgoland-Marathon zusammen, so daß der Wiedergenesene zumindest eine Runde mit von der Partie sein konnte. Der Autor lebte zwischen 1970-1980 auf Helgoland und fuhr bereits damals alle Wege der Insel, inkl der heutigen Marathonstrecke, zigfach mit seinem kleinen Fahrrad ab.



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