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Helgoland-Marathon 2004
von Oke Zastrow

Erst der Hamburg-Marathon und nach drei Wochen, nun den Helgoland-Marathon? Ist das überhaupt nötig? Ja, spinnst Du denn innerhalb so kurzer Zeit zwei Marathons zu laufen? Trainiere nicht so viel! Lass den Scheiß!

All das waren die verschiedenen Reaktionen auf mein Vorhaben „Erst Olympus-Marathon und dann Helgoland“. Überschätze ich meine Kräfte? Bin ich körperlich dazu in der Lage, bei der Ernährung und dem andauernden Training? Ich fragte mich wirklich mittlerweile, ob das überhaupt Sinn macht. Aber ich lehrte meinen Kritikern was anderes.

 

Freitag, 7. Mai 2004 – Startnummernausgabe

Wie jedes Jahr vor dem Marathon, findet am Tage vorher die obligatorische Startnummernausgabe statt. Dadurch dass ich dieses Jahr zum ersten Mal als Mitorganisator bzw. als Helfer dabei war, hatte ich einen kleinen Vorteil in dem ich vor Öffnung der Halle einen Seiteneingang benutzen durfte. So war ich der erste der seine Nummer und die Läufertüte inkl. das allseits beliebte T-Shirt in Empfang nehmen durfte. Gleichzeitig hatte ich meine Freundin mitgenommen, die den Mini-Marathon (5,8 km) später absolviert hatte. Vorteile sollte man wirklich ausnutzen. Wie jedes Jahr war kurz nach 15.00 Uhr, die Halle für die anderen Läufer geöffnet worden und dementsprechend bildete sich sehr schnell eine lange, lange Schlange an der Nummernausgabe. Wer wollte konnte sich ab 15.30 Uhr alle halbe Stunde in einem seperaten Raum, die Strecke von Stefan „Simmi“ Siemens erklären lassen. Nachdem ich mich dann noch mit einem Läufer, den ich vom letzten Jahr kannte, unterhalten habe, begab ich mich langsam auf den Weg nach Hause. Eigentlich wollte ich nicht mehr trainieren vorm Marathon, aber dann bin ich doch noch einmal 20 Minuten unterwegs gewesen. Meine Freundin hat mich für verrückt erklärt. Egal dachte ich nur. Anschließend sollten meine Haare wieder dran glauben. Letztes Jahr hatte ich mir meinen ganzen Haarschopf in den Helgoländer Farben färben lassen. Dieses Mal sollte es ein Irokesenschnitt werden, auch wieder in den Helgoland-Farben. Gegen 23.00 Uhr, habe ich mich dann entschlossen ins Bett zu gehen, denn es hieß um 06.00 Uhr am nächsten Tag aufzustehen.

 

Samstag, 8. Mai 2004 – der Marathon

06:00 Uhr, der Wecker reißt mich aus dem Schlaf oder war ich doch schon wach? Auf jeden Fall bin ich ein paar Mal in der Nacht aufgewacht. Scheiße, das Gefühl kannte ich doch. Aufregung, das ja mal wieder klar gewesen dachte ich. Habe mich dann für den Lauf schon angezogen und bin erst mal zum Bäcker gegangen um das Frühstück zu besorgen. Gemütlich habe ich dann zusammen mit meiner Freundin gefrühstückt. Zu trinken gab es bei mir einen halben Liter Kaffee und zwei Brötchen. Der Kaffee war wohl etwas zu viel, wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte. Denn innerhalb von 1 Stunde war ich dreimal auf Klo. Da war es wieder, das alte Klischee des Marathonläufers. Um Viertel nach Acht, hat uns Silke, eine Freundin abgeholt. Wir sind dann zusammen hinunter zum Start an der Landungsbrücke gegangen. Jetzt war auch jedem klar, daß es heute nur eines geben konnte: eine Sportveranstaltung. Überall Läufer, Läufer und nochmals Läufer. 09.00 Uhr, der Startschuss des Mini-Marathons ist gefallen. Meine Freundin, wurde auf die Strecke geschickt. Ein Versprechen was sie mir mal gegeben hatte, war eingelöst worden. Vor ziemlich genau 2 Jahren, hat Sie mir gesagt: „Oke, wenn Du einmal den „Großen“ läufst, dann laufe ich den Kleinen.“ Tja, und im November 2002 habe ich mich dann vom Kleinen auf den Großen umgemeldet und so musste Sie nun ran. Ich muss sagen, das ich super, super Stolz auf sie bin, das sie es geschafft hat. Sie ist die Strecke gewalkt in 53:32 und ist als 164te von 172 ins Ziel gekommen. Klasse! Ob sie nächstes Jahr dabei ist, mal schauen.

Nun begab ich mich zum Start des großen Marathons. Oh man, war das kalt sage ich hier in aller Deutlichkeit noch mal. Ich stand dieses Jahr wieder direkt an der Startlinie. Nachdem der Startschuss vom Bürgermeister abgegeben worden war, kam ich sofort in ein flüssiges Laufen. Ist aber auch kein Problem hier auf der Insel, denn nach spätestens 200 Metern ist das überschaubare Feld von 250 Läufern schon weit auseinander gezogen. Gedanken spielten mir nun durch den Kopf: sollte ich schnell anlaufen, sollte ich lieber langsamer beginnen? Durchkommen hieß es, sagte mir mein Kopf! Schließlich habe ich mein Ziel für dieses Jahr schon erreicht, in dem ich einen Marathon bereits geschafft habe. Schon war der Düsenjäger, die allseits gefürchtete Steigung erreicht. Frohen Mutes lief ich wie von selbst hinauf und war oben nicht aus der Puste, wie auch später die anderen drei Male. Ok, beim vierten und letzten Mal, da war ich etwas langsamer. Nun war ich am 2ten Versorgungspunkt an der Schule. Hier traf ich meine ehemalige Nachbarin, die mir einen Becher Wasser gab. Sie leitet diesen Versorgungspunkt jedes Jahr. Anschließen erblickte ich auf dem Klippenrandweg meine Freundin. Ich tippte Ihr auf die Schulter und gab Ihr einen Handkuss und schon war ich vorbei. Bis später dachte ich, aber 3:15 Std. sollte ich wohl noch vor mir haben. An der Nordspitze der Insel, bei der langen Anna, traf ich wieder das Ehepaar vom letzten Jahr, das hier seinen Stammplatz hatte. Alle Läufer wurden hier beklatscht. Einfach klasse die beiden. Toll. Ich war nun auf dem Weg Richtung Leuchtturm. Am Tunnel habe ich dann meine Fangemeinde zum ersten Mal gesehen, die mich auch während des ganzen Rennens begleitet hatten. Hier schon einmal ein ganz großes Dankeschön. Dann das Wellensturzbecken und der 3te Verpflegungsposten. Hier trafen wir Läufer wieder auf die berühmte Frauencrew, die mit Ihren verschiedenen Kostümen jedes Jahr die Läufer überraschen. Dieses Jahr gab es die „Cowgirls“. Einfach herrlich diese Damen. Dann die Mole! Oh mein Gott, dachte ich mal wieder. Nun gab es den gefürchteten Wind. Später sollte sich herausstellen, dass es Windstärke 4-5 war. Komischerweise hatte ich den Wind nicht für so stark empfunden. Als ich am 4ten Verpflegungsposten ankam (direkt am WSC) und somit km 10 passierte, staunte ich nicht schlecht, als ich auf die Uhr sah: 42:02! Wow, wenn das so bleibt, dann bleibst du unter drei Stunden. Aber mir war klar dass ich das nicht halten konnte. Die 2te Runde verlief ähnlich schnell, nun aber in 45:05 Minuten. Immer noch schnell. Zu schnell eigentlich. Aber na gut. Die Uhr zeigte genau 1:30 Stunde als ich das 2te mal die Höhe des Ziels passierte. Zwei ganze Runden noch. Wollte das überhaupt kein Ende nehmen? Ich fühlte mich immer noch gut. Die Stimmung war immer noch prächtig. Alle Leute klatschten uns Läufern zu und so absolvierte ich die dritten 10 km in 47:34. Unglaublich schwirrte es jetzt in mir. Immer noch unter der 50 Minuten Marke, das bedeutete Kurs auf 3:20 Stunden. Das wären knapp 23 Minuten schneller, als bei meinem Debüt im letzten Jahr. Wie vorhin schon erwähnt kam nun das vierte Mal der Düsenjäger und nun verließ mich auch die Kraft langsam. Ich war froh als ich oben ankam und dann an der langen Anna wieder das Ehepaar antraf. Hier habe ich wieder ein wenig Kraft für die letzten 6,5 Kilometer sammeln können. Am Tunnel sah ich dann meine Freundin das letzte Mal vor dem Ziel. Unsere Freundin übergab mir am Tunnel eine Helgolandflagge, denn ich habe mir überlegt, dieses Jahr mit Flagge ins Ziel zu laufen. Als ich den Wendepunkt auf der Mole erreicht hatte und Kurs zurück nahm Richtung Dorf, war mir klar du hast es mal wieder gepackt. Und die Uhr zeigte mir jetzt einen Kurs auf unter 3:14 an, was bedeuten würde, dass ich schneller wäre als in HH. Am Ausgang des Tonnenhofes am WSA, war dann mein Tiefpunkt, ca. 800 Meter vorm Ziel. Ich musste erbrechen. War das die Rache für das zu schnelle Laufen, habe ich doch zu wenig getrunken? Ich weiß es nicht, aber nach einer Minute Pause lief ich weiter und fühlte mich wie in der zweiten Runde. An der Essostation breitete ich meine Flagge aus und wurde auch gleich fotografiert. Hier traf ich auch die Gruppe, die immer einen LaOla-Welle machte, wenn ich sie traf. Mich übertrafen jetzt die Glücksgefühle und ich lief vor Freude dem Ziel entgegen. Den Moderator hörte ich nun schon von weitem und ich begann meinen Endspurt. Als ich 50 Meter vorm Ziel auf der Uhr im Ziel sah, das ich noch zehn Sekunden habe um unter 3:12 Stunden zu bleiben, riss ich mich noch einmal zusammen und sprintete ins Ziel. Mit lautem Beifall der Zuschauer und mit meiner Flagge über dem Kopf überquerte ich die Ziellinie in genau 3:12 Stunden. Nachdem ich die Medaille von einem der Trachtenmädchen umgehängt bekommen habe, bin ich meiner Freundin glücklich in die Arme gefallen. Habe dann noch etwas getrunken. Es gab Wasser, Cola etc. Nach einer Weile fing ich an zu zittern, weil mir kalt wurde. Wir sind dann nach Hause gegangen obwohl ich eigentlich in die Nordseehalle wollte, wo das große Küchenbüfett stand. Aber ich durfte nicht, denn meiner Freundin war es lieber, daß ich unter die Dusche komme.

Am Abend ging es dann Richtung Marathon-Party in die Nordseehalle. Um 19.00 Uhr fing die Siegerehrung an und ich durfte das erste Mal auf die Bühne, was für dieses Jahr auch mein erklärtes Ziel war. Im Anschluss folgte dann die Musik. Die Gruppe Soldiers Return brachte wie jedes Mal die Leute zum Tanzen und so endete für manchen der Tag feuchtfröhlich.

Zum Schluss noch einmal ein ganz großes an alle Organisatoren, Helfer und Zuschauer, die den Läufern eine mal wieder rundum gelungene Veranstaltung hingezaubert haben. Perfekt organisiert. Es gibt nichts zu reklamieren. Besonderer Dank gilt meiner Freundin, die mich in den letzten Monaten sowohl für den HH-Marathon als auch für den Helgoland-Marathon, tatkräftig unterstützt hat. Danke!!!

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