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10 Meilen auf der Dinosaurierinsel: insellaeufer.de goes international
(26. Juli 2003)

Ergebnislisten hier

England liegt bekanntlich auf einer Insel. Trotzdem will Britannien aufgrund seiner Größe nicht so recht in die Insellauf-Sammlung passen, da ansonsten ja auch Australien oder Eurasien zu den Inseln zu zählen wären. Zudem hapert es in Birmingham und Manchester wohl auch ein bisschen mit dem so wichtigen "Inselfeeling". Glücklicherweise gibt es um die Britische Insel noch jede Menge weitere "zählbare" kleinere Inseln, darunter auch die 35 km x 20 km große, karoförmige Isle of Wight, südlich von Portsmouth und Southampton im "Channel" gelegen.

insellaeufer.de konnte kürzlich eine Dienstreise in den Südosten Englands erfolgreich mißbrauchen, um die Insel Wight einmal zu besuchen und an einem 10 Meilen Straßenrennen teilzunehmen. Vom Südlondoner Flughafen Gatwick sind es weniger als 100 km zur Insel. Die Fahrt im Mietwagen Richtung Fährhafen Portsmouth führt durch kompliziert gewundene Heckenschluchten und dunkle Baumtunnel, immer mit der Angst im Nacken, an einer der zahlreichen Mäuerchen entlangzuschrammen. Um keine Monotonie aufkommen zu lassen, ist die Landstraße im 5-Minuten-Takt durch hektische Kreiselverkehre unterbrochen. Beim Abbremsen und Beschleunigen greift die verzweifelte, kontinental-europäische Hand immer wieder ins Leere - das ungewohnte Schalten mit der linken Hand will einfach nicht in den Kopf. Um ein paar graue Haare reicher erreichen wir dann doch irgendwie den Fährhafen und 40 Minuten später und 100 Euro ärmer stehen wir schon auf der Insel. Nach ein paar Schnörkeln und Ehrenrunden, bedingt durch die auf das Minimum beschränkte Straßenbeschilderung, kommen wir in der internetgebuchten Bed & Breakfast Unterkunft an. Zwar entläßt die Dusche ihr Naß nur tröpfchenweise und mit unregelbarer Temperatur, dafür gibt es morgens ein ideales Läuferfrühstück mit körniger Bratwurst und salzigem Buttertoast, gekrönt von einem heißen Champignon.

Das Brighstone 10 Mile Road Race findet in den Küstenhügeln im Südwesten der Insel statt. Der ausrichtende Verein, die "Ryde Harriers", organisieren auf der Insel über das Jahr hinweg eine ganze Reihe von Rennen (siehe Uli Sauer's Bericht über die 10 km von Brading). Die Ausschreibungen sind im Internet veröffentlicht und die Anmeldung klappte problemlos per Post mithilfe eines Formulars und beigelegter 5-Pfund-Note. Schon wenige Tage später kam eine Bestätigungsemail. Zur Kostendämpfung bietet der Ausrichter sogar einen Shuttlebus-Service von/zum Fährhafen für laufende Tagesbesucher an, so daß für das Rennen selber eigentlich weder Übernachtung noch PKW auf der Insel notwendig gewesen wäre (wenn da nicht Burgen, Schlösser, Kreideklippen à la Rügen und Canyons zu besichtigen wären. Zudem kreuzten sich hier vor 80 Millionen Jahren die europäischen Wanderrouten verschiedener Dinosaurierarten, was die Insel zu einem regelrechten Dinosaurierfriedhof macht).

Die Mischung schien also zu stimmen: Golfstromverwöhnte, palmenbestandene Urlaubsinsel, guter Läuferservice, laufverrückte Engländer. Trotzdem erschienen beim Rennen lediglich 66 Teilnehmer, was im Vergleich zu den 1.200 Läufern ein Wochenende zuvor auf Norderney etwas mickrig erscheint. Zu allem Überfluß setzte am Rennmorgen noch ein leichter Nieselregen ein, der sich bis zum Start des Laufes zu einem stärkeren Landregen steigerte. Dies hielt uns Läufer zwar nicht davon ab, die 10 Meilen (wieviel Kilometer waren das noch gleich?) unter die Füße zu nehmen, schmälerte das Insellauferlebnis aber doch etwas. Der Start befand sich im unscheinbaren Dörfchen Brighstone (war ok, es gibt aber schönere Orte auf der Insel), führte dann in einer liegenden-8-Schleife durch die küstennahe Hügellandschaft mit Steigungen von insgesamt ca. 75 Höhenmetern. Der Kurs verläuft auf schwach befahrenen, für den Verkehr nicht abgesperrten Aspahltstraßen ("Road Race"). Mehr als 20 Helfer hatten sich für das Rennen strategisch im Regen verteilt, um den Läufern den Weg zu weisen, so daß ein Verlaufen schier unmöglich war. Von den Hügeln aus hätte im Prinzip eine gute Sicht zum Meer hin bestanden, eine Aussicht die aber vom Bindfaden-Regen ziemlich verschluckt wurde.

Zwar hielt sich die Läuferbeteiligung sehr in Grenzen, aber die "Bedenken" das Provinz-Rennen im lockeren Trimmtrab nach Hause zu laufen, konnten schnell ad acta gelegt werden. Bereits zu Beginn stürmten drei britische Kämpfer (die Ehefrau beschrieb sie als "ein langer Dünner, einer mit dicken Oberschenkeln, einer mit Haaren auf den Schultern") an die Spitze des Feldes, von denen insellaeufer.de zwei sofort aus den Augen verlor, während der dritte fast das ganze Rennen über etwa 50 m, pardon 50 yards, voraus lief und einfach nicht einbrechen wollte. Erst bei Meile 8 war der Konkurrent plötzlich verschwunden, tauchte aber wenig später hinter mir aus dem Gebüsch wieder auf, schwer entschlossen mich wieder einzuholen. Und so geschah es auch kurz darauf. Nach ein paar Minuten trauten Nebeneinanderherlaufens schmiedete ich bereits ehrenwerte Pläne, dem Mitläufer den verdienten 3. Platz freiwillig anzubieten, inspiriert durch Jan Ulrich, der in der Woche zuvor auf den gestürzten Lance Armstrong gewartet hatte. "Glücklicherweise" öffnete sich eine viertel Meile vor dem Ziel noch mein doppeltverknotetes (!) rechtes Schnürband (der strömende Dauerregen hatte sogar den Doppelknoten aufgekriegt), so daß sich die edle Pfadfindertat erübrigte. Vermutlich hätte mich der Konkurrent sowieso im Endspurt alle gemacht.

So sprang letztendlich der 4. Platz unter 66 Teilnehmern heraus, bei einer Zeit von 58:12. Der Sieger kam übrigens 5 Minuten vor mir ins Ziel mit einem 33 min/10 km Durchschnittstempo (und das bei hügeliger Strecke und Sintflut). Das Ergebnis war ganz ok für mich, da meine längste Trainingsstrecke derzeit selten 10 km übersteigt, um meine verletzungsanfälligen Füße zu schonen. Es war zudem das erste Rennen der Saison, in dem ich nicht wie verrückt zu schnell angelaufen bin, so daß ich noch recht frisch im Ziel ankam. Für die ersten 4 Plätze gab es Sachpreise - ich bin gespannt was mir der Briefträger demnächst bringt.

Der Inselausflug auf die Isle auf Wight bot interessante Einblicke in die lokale englische Laufwettkampfszene. Volksfestcharakter wie z.B. auf Helgoland/Norderney hatte die Veranstaltung auf jeden Fall nicht - Zuschauer Fehlanzeige. Allerdings war das Rennen in die Jahresleistungsschau der Brighstone Horticultural Society eingebunden, so daß außer den schnellsten Läufern auch die schönste Orchidee, der schlankste Kaktus, der leckerste Karottenkuchen und das schwerste Kaninchen prämiert wurden.

Fazit von insellaeufer.de: Eine Interessante Veranstaltung, jedoch würde man deswegen wohl kaum extra von weither anreisen, wenn man nicht sowieso schon auf der Insel wäre. Für ein paar Tage gibt es auf der Isle of Wight ein abwechslungsreiches Programm. Die Stadt- und Strandpromenaden wirkten dagegen weniger anziehend. Gedränge, unzählige lärmende Automatenspielsalons (für die ganze Familie!) sowie die suboptimale englische Hausmannskost zehren an den Nerven. Vielleicht ergibt sich in der Zukunft nochmal die Gelegenheit, einen Insellauf auf einer der Channel Island Jersey/Guernesey oder der Isle of Man auszuprobieren, Inseln die einen etwas anderen touristischen Charakter haben.

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