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Bericht vom 1. Amrumer Mukoviszidoselauf (29.05.2004)

Von Axel Gebhardt

Um es vorweg zu nehmen: der in diesem Frühjahr erstmals ausgetragene Amrumer Muko-Lauf (ca. 25 km bzw. 5,0 km) ist  - zumindest in der Langversion - m. E. einer der schönsten und anspruchsvollsten Landschaftsläufe im norddeutschen Raum überhaupt. Wer kann schon von sich behaupten, sich insgesamt rund 25 Kilometer in ständigem Sichtkontakt zur Nordsee, den Nachbarinseln und Halligen, und davon wiederum über die Hälfte durch feinsten Kniepsand, gekämpft zu haben? Naja, und von den Windstärken auf den Nordfriesischen mal ganz abgesehen: Beine so dick wie Callmund! Knie so weich wie Butter! Hirn so taub wie Nuss!

Aber der Reihe nach: Das größte Problem ist sicherlich, überhaupt rechtzeitig auf die Insel zu kommen, jedenfalls wenn man nicht schon da ist (klar!) oder direkt an der Küste wohnt. Start war zwar erst um 12.00 Uhr, aber wer vom Festland rechtzeitig eintrudeln wollte, musste schon die 7.30-Fähre nehmen. Schade, denn ein nur um eine Viertelstunde verschobener Start hätte es erlaubt, die nächste Fähre um 10.00 Uhr zu nehmen. Davor schon zwei Stunden Autofahrt, dicker Ärger über die Dagebüller „Deichmafia“ (8 Euro Parkgebühr pro Tag!!!), wie er jedes Mal nur größer wird (next time erstmals seit 25 Jahren von Nordstrand aus), ein preislich nur leicht reduziertes Fährticket, in dessen Genuss man nur kommt, wenn man die Insel auch am selben Tag wieder verlässt und so weiter und so fort. Trotzdem: Es lohnt sich absolut!

Start/Ziel der rund 60 Lang- und 200 Kurzstreckler und -strecklerinnen war an der Kinderklinik Satteldüne (per Bus und dann zu Fuß insgesamt ca. 15 Minuten vom Anleger in Wittdün entfernt), und das Schlimmste gleich ganz zu Anfang: Nach ca. 1200 Metern auf befestigten Wegen durch Kiefernwald und Dünenlandschaft geht´s sofort ab in den Sand. Tja, und Sand ist leider nicht immer gleich Sand. Jedenfalls findet man auf den folgenden rund 6,5 km zwischen Nebel und Wittdün praktisch keinerlei Halt unter den Füßen: Der sogenannte „Kniepsand“ unmittelbar unterhalb der Dünenketten ist extrem fein, löst sich bei jedem Schritt fast völlig auf, hebt und senkt sich noch dazu in langen Wellen alle etwa 50-100 Meter. Und so mutierst Du schließlich selbst zum feinsandigen Mürbekuchen. Die Alternative, „weiter unten“ auf flacherem und offenbar etwas trittfesterem Boden zu laufen, bringt nichts, da sie mit einem ungleich größeren Radius erkauft wird. Ich hab´s mal ausprobiert: wie man´s auch macht, zeitlich gibt es leider keine Alternative zum Gewühle und Gestochere durch den Sand. Dabei ist es natürlich spätestens dann besonders hübsch, wenn auch die Schuhe längst säckeweise voller Sand sind, die ständige Suche nach der Ideallinie zum multiplen Fiasko wird und noch dazu der Wind in alle Richtungen zerrt.

Richtig Gas geben (sofern Mutter-Kind-Gruppen und Seniorentreffs auf der Suche nach der letzten freien Sitzbank dies zulassen) kann man erst wieder auf der Wittdüner Strandmauer (ca. 800m; Stein), zumal wenn hier der Wind von hinten kommt. Rhythmuswechsel ist dann schon bald wieder nach Umrundung der Südspitze angesagt, und zwar in Form von Platten-, mitunter sehr groben Kies- und Schotterwegen (ca. 6 km), bei denen man sich auch schon einmal (kurz vor dem alten Hafen Steenodde) das eine oder andere Gatter selbst öffnen muss. Ein Tipp dazu: Kleine Kinder (offensichtlich insbesondere aus dem Berliner Raum) haben einen Heidenspaß daran, diese Gatter bei Ankunft eines Läufers zuzuhalten. Hier hilft am besten der Einsatz eines schon aus der Ferne zugeworfenen Schokoriegels, auch wenn so manch ökoangehauchte Mama - den gentechnisch einwandfreien Apfel fest im Griff - dies schon mal missbilligen mag.

Katja „Wunder gibt es immer wieder“ Epsteins Anwesen mitsamt wenig ersprießlichen Kindheitserinnerungen an hirnzersetzende Schlager zur Rechten und mit Blick auf das Watt sowie die Nachbarinsel Föhr biegt man dann in den südlichen Ortseingang Nebel ein. Halbzeit! Als Lohn gibt´s leider nur ´ne frische Brise aus der Kläranlage am nordöstlichen Dorfrand von Nebel… Keine Ahnung, was die denen so ins Essen packen, so oder so aber treiben die derben Ausdünstungen auf diesen 500 Metern zu einer deutlichen Tempoverschärfung an. Von da an aber nur noch frische Luft und Natur pur! Und zwar weiterhin auf der Wattseite zunächst ca. 5 km auf einem festen Schotterweg - weite Wiesen mit irgendwelchen Senk-, Spreiz-, Paar- oder Sonstwashufern zur Linken - bis Norddorf. Es folgt der sogenannte Teerdeich Richtung Odde (Nordspitze). Zwar weniger als 1 km lang, aber mit einem Gegenwind, der den Kilometerschnitt in astronomische Höhen schießen lässt. Zwei Kästen Bier und Mama auf den Schultern drücken nicht so auf´s Tempo! Dann ein Stück Asphaltweg zum nördlichen Wendepunkt (für die Amrumkenner: auf Höhe der Fahrradständer) zurück auf die Seeseite - tja, und ab dann nimmt das Leiden erneut seinen Lauf: Sand, wieder nichts als Sand für die nächsten rund 7-8 km. Immer feinkörniger und erneut unmittelbar an der Dünenkante entlang geht´s über den Norddorfer Strand mit Blick auf Hörnum/Sylt südwärts Richtung Nebel. Zwar mit Gummibeinen bietet sich doch ein wunderschönes Stück Insel dar, bei Flut noch dazu halb im Wasser und mit unzähligen Seevögeln auf allen Seiten.

Man glaubt, man würde selbst fliegen, wenn man schließlich auf Höhe des Badestrandes von Nebel den Sand endgültig verlässt, um vor dem Start/Ziel nochmals ca. 1000m Asphalt- und Schotterwege unter die Füße zu nehmen. Allein dieses Gefühl wieder festen Bodens unter den Füßen ist den Lauf alleine wert!

Zur Organisation: Zweifelsohne haben die Amrumer (bzw. wohl eher v. a. die supernetten Jungs und Mädels der Amrumer Regionalgruppe des Mukoviszidose e. V. sowie der Fachklinik Satteldüne) sich eine wahnsinnige Mühe gegeben. Eine solche Dichte von Verpflegungsposten (Tee und Wasser sowie die obligatorische gelbe Südfrucht) auf der Strecke habe ich jedenfalls noch nie gesehen: mindestens sechs Stück hab´ ich gezählt, was einem Schnitt von rund 4 km entspricht. Zusätzlich gab es eine Reihe weiterer Streckenposten. Schade nur, dass diese im Bereich Wittdün/ Hafen wohl zwischendurch mal „auf ein Bier“ waren, so dass Ortsunkundige beinahe den Weg verloren hätten. Eine deutlichere Ausschilderung als die kleinen Plastiksticker an strategisch wichtigen Punkten hätte solche Pannen wohl verhindern können. Ähnliches gilt für den Bereich des Tonnenhafens auf der Wattseite zwischen Wittdün und der Ortschaft Steenodde: Nichtamrumkenner liefen hier Gefahr, die scharfe Abzweigung zu verpassen und auf dem Betriebshof zu (ver)enden. Tja, und wie so häufig: die Getränkebecher müssen wirklich nicht randvoll sein, glaubt es mir, liebe Amrumer. - Aber im Ernst: alles m. E. nur „winzige Kinderkrankheiten“. Zumal das Beste ja noch kommt: Ich jedenfalls habe es noch nie erlebt, dass von den Veranstaltern eines Volkslaufes jedem Teilnehmer (im noch dazu wirklich luxuriösen Duschbereich der Klinik Satteldüne) riesige Badehandtücher zur Verfügung gestellt werden! Dass es außerdem für notorische Kuchen-, Fischbrötchen- und Bratwurstvernichter auf dem begleitenden Pfingstfest der Klinik Satteldüne ein überaus großes Angebot gab, sei schließlich nur am Rande erwähnt.

Es bleibt zu hoffen, dass es den Amrumern gelingt, diesen Lauf fest im norddeutschen Laufkalender zu etablieren. Stellt er doch in jeder Beziehung eine absolute Bereicherung dar. Die mit über 250 Teilnehmern m. E. relativ hohe Teilnehmerzahl für eine Premiere lässt jedenfalls auf ein durchaus großes Interesse schließen.

Übrigens: Am 18. September (Start um 11.00 Uhr am Kurmittelhaus Nebel) startet der immerhin auch schon dritte Herbstlauf „Rund um Amrum“ (Kurzstrecke: ca. 14,5 km/ Langstrecke ca. 28,5 km), dessen Veranstalter (Tourismusbüro Wittdün) leider in Sachen Publicity m. E. etwas „schwach auf der Brust“ sind. Trotzdem: Auch dieser Lauf lohnt sich unbeding, zumal die Langversion (bei ansonsten mit dem Muko-Lauf praktisch identischer Streckenführung) in Gestalt der Odde (Amrumer Nordspitze, natürlich Sand) noch ein´s draufsetzt. Wirklich hirnrissig erscheint mir nur die Preisgeldregelung: Satte 250 Euro für den Sieger, 150 Euro für die Siegerin der Langstrecke, 100 Euro für den Sieger/ die Siegerin der Kurzstrecke und dann nix mehr. Irgendwie doch etwas unausgewogen, oder?

 

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